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Erfurt: Deutschlands erstes Märchen-Miniatur-Theater eröffnet

Theatrum Mundi für einen EUR

Sprengmeister: Tief unter der Erde flackert rotes Licht | Foto: Martin Gobsch

Sprengmeister: Tief unter der Erde flackert rotes Licht

Theatrum Mundi: Schneewittchen hinter Schaufensterglas | Foto: Dirk Wildt

Theatrum Mundi: Schneewittchen hinter Schaufensterglas

Gelungene Eröffnung am 1. Advent: Medienformat für alle Altersgruppen | Foto: Dirk Wildt

Gelungene Eröffnung am 1. Advent: Medienformat für alle Altersgruppen

Während des Puppenbaus: Thaetrum Mundi "Intendant" Martin Gobsch | Foto: Martin Gobsch

Mit Holzkopf: Theatrum-Mundi-Macher Martin Gobsch

Mittelalter: Erfurts Krämerbrücke | Foto: TomKidd, wikipedia.org

Mittelalter: Erfurts Krämerbrücke

Erst der Entwurf, dann 15 Monate Arbeit | Foto: Martin Gobsch

Erst der Entwurf, dann 15 Monate Arbeit

Entstehungsprozess: Rohes Ross und rohe Reiter | Foto: Martin Gobsch

Entstehungsprozess: Rohes Ross und rohe Reiter

Hinter den Kulissen: Ordentliche Mechanik | Foto: Martin Gobsch

Hinter den Kulissen: Ordentliche Mechanik

29. Nov. 2010 (dw) – 

Schneewitchen und die sieben Zwerge gibt es in einem neuen Medienformat: Das Märchen eröffnete seinen Betrieb als Theatrum Mundi am ersten Advent. Für einen Euro spielen rund zwei Dutzend fein gearbeitete Miniaturen das Märchen von Schönheit, Gift und Erlösung hinter einem Schaufenster auf einer Mittelalter-Brücke in Thüringens Landeshauptstadt Erfurt.

Hinter riesigen Stapeln aus Holzresten, allerlei seltsamen Werkzeugen und vielen Leim- und Terpentintöpfen kniet ein junger Mann und hantiert mit zwei Zwergen. Martin Gobsch, Puppenbauer, bereitete in seiner Werkstatt seinen wahrscheinlich bisher größten Coup vor: Auf der Krämerbrücke hat er pünktlich zum 1. Advent seinen lang gehegten Traum verwirklicht. In den frühen und winterlichen Abendstunden eröffnete Gobsch sein eigenes Theatrum Mundi in seiner Schauwerkstatt.

Für die Erfurter Brücke ist dieses Puppentheater eine echte Bereicherung. Genau wie ihr bauliches Pendant im toskanischen Florenz wurde die bebaute Brücke seit jeher als Handels- und Handwerksplatz im Zentrum der mittelalterlichen Nord-Süd-Achse genutzt. Mit dem Einzug des Puppenbauers kehrt weiteres Handwerk zurück auf die steinerne Furt und bietet Besuchern ein einzigartiges Schauspiel – das Theatrum Mundi.

Dieses mechanische Puppenspiel war früher auf Jahrmärkten eine spannende Bereicherung, imZeitalter von Online-Spielen und „Apps“ findet man solche filigranen Arbeiten eher selten. „Meines Wissens nach ist es das erste Märchen-Miniatur-Theater Deutschlands“, so der Puppenvater.

Für Gobsch war die Arbeit an seinem Theater eine echte Herausforderung. 15 Monate lang hat er gezeichnet, geplant und vor allem geschnitzt. Denn das faszinierende Miniaturtheater besteht aus 20 einzelnen Figuren, die sich alle bewegen und so allmählich das Märchen von Schneewittchen und den sieben Zwergen erzählen.

Und in dem kleinen Kasten hinter dem Schaufenster steckt Technik wie in einem großen Theater. Ein Computer steuert über unzählige Kabel Motoren und Beleuchtung.

Während der Entwicklungsphase musste sich der Puppenbauer immer wieder kleinen und großen Widrigkeiten stellen. Mal funktionierte ein Zahnrad nicht wie gewünscht, mal flackerte das Schornsteinlicht der Schneewittchenbehausung etwas zu aufgeregt. „So manches Problem habe ich mir aber leider auch selbst geschaffen“, sagt Martin Gobsch mit gequältem Lächeln. Da war diese eine Nacht, als endlich alles fertig schien und nur noch eine Figur ins Ensemble verbracht werden musste. „Ich bin mit meinem Stuhl von der Drechselbank weggerückt und gleich darauf gab es einen furchtbaren Schlag.“ Das gesamte Theater hatte sich aus seiner Verankerung verabschiedet und war hart auf den Werkstattboden aufgeschlagen. „Wie in Trance habe ich dann Schneewittchen, die Zwerge und die anderen Protagonisten eingesammelt, während mir klar wurde, dass ich nun noch einmal von vorne beginnen musste.“

Doch der Vater der Holzpuppen ließ sich auch von solchen Rückschlägen nicht entmutigen. Neben kleinen Flachfiguren hat Martin Gobsch auch ganz plastische Puppen entworfen und geschnitzt, die alle so liebevoll und Detailreich aussehen, dass wohl kaum jemand das Märchen nur einmal sehen wird.

In seiner Schauwerkstatt können Besucher dem Puppenschnitzer zukünftig bei der Arbeit über die Schulter schauen. Mit der Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Krämerbrückenstiftung und der Elisabeth und Fritz Thayssen Stiftung aus Hamburg wurde das Gebäude der Werkstatt liebevoll saniert. „Allein hätte ich diese Arbeiten keineswegs bewältigen können“, so Martin Gobsch, dem man seine Zufriedenheit über das Erreichte deutlich ansieht.

Allerdings kann sich der Puppenschnitzer noch nicht komplett zurück lehnen. Sorgen bereiten Martin Gobsch seine Zwerge. Trotz fieberhafter Vorbereitung und ständiger Schnitzerei ist das Bergbauteam aus dem Schneewittchenreich noch nicht vollständig zur Arbeit erschienen. Sieben Mineure sollten es schon sein, zwei fehlen bislang. „Das werden wohl noch ein paar lange Nächte“, so der Puppenbauer.

Der mangelnde Arbeitseinsatz der Untertagezwerge tat der Eröffnung allerdings keinen Abbruch. Trauben von Menschen pressten ihre Nasen an die Scheibe des Puppentheaters, um der Königin und den anderen Protagonisten zuschauen zu können.

Zukünftige Besucher sollten sich ein paar Münzen einstecken, denn ganz ohne Obolus wird die strenge Königin ihr Märchen nicht erzählen. Aber wenn sie dann beginnt, wird die Überraschung umso größer sein. Soviel sei schon mal versprochen. Dominique Wand

Infos

  • Was
    Theatrum Mundi: mechanisches Puppenspiel mit zwanzig beweglichen Figuren, erzählt wird das Märchen von Schneewittchen und den sieben Zwergen
  • Wo
    Schauwerkstatt Krämerbrücke 2, 99084 Erfurt
  • Spielzeit
    Je nach persönlicher Kassenlage, 1 Minute für 1 Euro, 2 Minuten für 2 Euro
  • Wann
    Immer, das Theater wird per Münzeinwurf aktiviert
  • Tipp
    am besten abends anschauen, dann kommt die richtige Stimmung auf

Links

Fotos: Martin Gobsch, Dirk Wildt, TomKidd (wikipedia.org)

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