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Rudolstadt/Erfurt: Nathans Kinder - Theater Rudolstadt und Waidspeicher

Lächerlicher Fundamentalismus

Im Schoß vom falschen Vater - Recha (Anne Kies) und Nathan (Paul Günther)

Im Schoß vom falschen Vater - Recha (Anne Kies) und Nathan (Paul Günther) | Foto: Lutz Edelhoff

Deal gegen den Bischof - Sultan (Martin Vogel) und Nathan

Deal gegen den Bischof - Sultan (Martin Vogel) und Nathan | Foto: Lutz Edelhoff

Intrigen bis zum Mordkomplott - Kreuzritter (Stefan Kreißig), Recha, Nathan

Intrigen bis zum Mordkomplott - Kreuzritter (Stefan Kreißig), Recha, Nathan | Foto: Lutz Edelhoff

30. Apr. 2010 (dl) – 

An Orten, an denen junge Menschen noch unbeeinflusst, ehrlich und weltoffen sind, gibt es einen Funken der Versöhnung, der überspringen und ein großes Feuer des Friedens entfachen kann.

Dieser Funke entsprang aus der Liebe zwischen Nathans Pflegetochter Recha und dem Kreuzritter Kurt in "Nathans Kinder", einem Schauspiel von Ulrich Hub, nach Gotthold Ephriam Lessings Stück "Nathan der Weise".

"Nathans Kinder" feierte seine Premiere am 16. April im Theater "tumult" in Rudolstadt (Thüringen). Das Besondere an diesem Stück ist die Kooperation mit dem Theater Waidspeicher aus der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt. Sie ermöglichte es, dass sich echte Schauspieler und lebensgroße Puppen auf Augenhöhe begegnen und die Toleranzidee der Ringparabel für Jugendliche ab 13 Jahren verständlich wird.

Jerusalem. Recha (Anne Kies) wird von einem Mann aus einem brennenden Haus gerettet und bedankt sich stürmisch mit einem Kuss. Zunächst bekommt sie von ihrem Retter Kurt (Stefan Kreißig) nur die kalte Schulter gezeigt, nachdem er bemerkte, dass Recha eine Jüdin zu sein scheint. Doch ihr Interesse füreinander steigt und ein Geheimnis, dass nur Recha und ihr Vater Nathan (Puppenspieler Paul Günther) wissen, wird mit Kurt, der kurz vor ihrem Zusammentreffen selbst noch dem Tode entging, geteilt. Recha ist eigentlich Christ und nur die Pflegetochter von Nathan. Von den engstirnigen Meinungen seiner Mitmenschen geprägt, zerrissen von Liebe und Angst, Recht und Unrecht verliert sich Kurt zunächst und sucht Rat bei den Menschen, die sich gegenseitig aufgrund ihrer Religionen am meisten bekriegen. Der Bischof (Puppenspielerin Annika Pilstl) und der Sultan (Puppenspieler Martin Vogel) leisten sich dabei ganz besondere Gefechte und versuchen sogar Kurt so weit zu beeinflussen, den jeweils anderen umzubringen.

Wessen Gott ist der einzig wahre? Juden, Christen und Moslime streiten mit eisener Hartnäckigkeit über den richtigen Glauben - fast noch auf Kosten des jungen Liebesglücks. Dann aber wird Nathan auf Bitten seiner Pflegetochter das Wort erteilt; er solle die Ringparabel erzählen.

Die lebenshohen Figuren rücken hinter das Scheinwerferlicht und werden durch Handpuppen ersetzt. "Sie wirken in gewisser Weise ironisch-distanziert", beurteilte die Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Friederike Lüdde, des Rudolstädter Theaters. Und entsprechend wurde auch die Ringparabel erklärt: eine humorvolle Geräuschkulisse aus den Mündern der Schauspieler unterstich die Geschichte die wieder so endete, wie sie im Grund begann. Mit Stöcken schlugen sich die drei Religionsvertreter bis der Streit durch einen lauten Knall und einer zerstörenden Feuerwand beendet wurde.

Sie sind nicht einer Meinung, Recha und Kurt. Und doch gehen sie lächelnd Hand in Hand hinaus, und vor allem sind sie glücklich.

Durch die überzeugende Leistung der Schauspieler erhalten die großen Puppen, die nicht nur Menschen darstellen, sondern auch für Autoritäten der Gesellschaft stehen, die Ehrfurcht, die sie selbst nur durch die Menschen dahinter ausdrücken können. Die Schauspieler stärken die Puppen in einer Geschichte, die für Jugendliche auf das Wesentliche reduziert wurde.

Am 24. April hatte Nathans Kinder Premiere in Erfurt

Dominique Lattich

Nathans Kinder - Infos

  • von Ulrich Hub
  • Puppentheater/ Schauspiel ab 13 Jahre
  • Kooperation Theater Waidspeicher Erfurt und Thüringer Landestheater Rudolstadt
  • Premiere in Rudolstadt am 16.4.2010 • Premiere in Erfurt am 24.4.2010
  • Regie: Thomas Lange
  • Bühne, Kostüme, Puppen: Udo Schneeweiß (Atelier Theater Waidspeicher)
  • Spieler: Anne Kies, Annika Pilstl, Paul Günther, Stefan Kreißig, Martin Vogel

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