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Workshops (DE) Bochum – 23.05.11 bis 27.05.11

Ich sehe: Schwarz - Praktische Dramaturgie - Der Kasper: Untersuchungen zur komischen Volksfigur

Dozent: Horst-Joachim Lonius

 

Auf die Vertreibung des Harlekin ist die deutsche Theatergeschichte zu Unrecht stolz. Sein Sturz war eher der Sündenfall des Theaters, seine Vertreibung eine Vertreibung aus dem – allerdings etwas unsauberen – Paradies. …

Einst war er eine Volksfigur, Protagonist eines Volkstheaters, Hoffnung der Erniedrigten und Be-leidigten, ihr grobianischer Sprecher, tolpatschiger Diener einer vornehmen Welt – wobei nie klar wurde, ob er mit Absicht dazwischen trampelte oder aus Versehen, ob er schaden wollte oder ungeschickt war, korrupt oder Rebell, Kämpfer oder Parasit. War er listig oder war er dumm? War er asozial oder subversiv?

Was immer er war - er war nicht zu fassen. Wo immer man ihn suchte, griff man ins Leere. Er log sich aus jeder Schlinge und überlebte noch die eigene Hinrichtung.

Vor allem aber war er fruchtbar und hatte viele Kinder. Einigen aus seinem Geschlecht wuchs eine lange Nase, die trägt Kasper bis heute, die aber noch für etwas anderes steht, was die alten Athener direkt zu zeigen sich nicht scheuten.

Wir finden in Kasper den Erben des alten Volkstheaters, das den Unteren Mut macht. Es fand in ihm das Spontane, die Subversion, die Rebellion, den Aufstand, die ein wesentlicher Teil aller Kunst sind. Daher sollte nicht nur das Theater, sondern alle Kunst sich auf Hanswurst, auf Kasper besinnen.

 

Es werden theoretische und vor allem praktische Untersuchungen zur Figur des Kaspers vorgenommen unter den Bedingungen gegenwärtigen und postdramatischen Theaters sowie szenische & gestalterische Versuche.

 

Mo-Fr 9.30-16.30 Uhr

Kursgebühren: € 120,- / 98,- / 65,-

& Materialkosten € 5,-

Tel. 0234-284080

 

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